chatbot

Sicherheit

Menschen mit Demenz können sich selbst oder Dritte gefährden. Angehörige und Pflegende stehen deshalb vor schwierigen Entscheidungen: Sie müssen Freiheitsrechte und -bedürfnisse der Betroffenen beachten und gleichzeitig Gefahren abwenden.

Von Martin Mühlegg und Zeitenspiegel Reportagen

Aktualisiert am 16. April 2026


FAQ 1
: Warum können Menschen mit Demenz sich oder andere gefährden?

Weil sie ihre Umgebung anders wahrnehmen. Sie handeln aus ihrer Sicht sinnvoll, verlieren aber Orientierung. Dadurch drohen Stürze, Weglaufen oder gefährliche Situationen im Alltag.

FAQ 2
: Wie gelingt die Balance zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung?

Betreuende stehen im Dilemma: schützen und zugleich Freiheit erhalten. Zwangsmaßnahmen sind nur im Notfall erlaubt. Wichtig ist, Risiken abzuwägen und Lösungen zu finden, die Sicherheit und Würde verbinden.

FAQ 3
: Welche Alternativen gibt es zu freiheitsentziehenden Maßnahmen?

Hilfreich sind angepasste Wohnräume, Bewegung, Aufgaben im Alltag und ein unterstützendes Netzwerk. Technische Hilfen oder Begleitung können Sicherheit geben, ohne die Freiheit unnötig einzuschränken.


Menschen mit Demenz verhalten sich für ihre Umgebung oft unverständlich. Aus Sicht der Betroffenen sind diese Handlungen aber eine sinnvolle Reaktion auf ihre Umwelt. Sie können sich nicht an eine Struktur anpassen, deshalb sollte die Umwelt ihre Bedürfnisse so gut es geht ermöglichen. Nicht umsonst heißt es: Demenz ist die Krankheit des Umfeldes.

Gefahren und Gefahrenprävention bei Demenz

Ein häufiges Phänomen ist Unruhe. Betroffene wandern durch die Wohnung, wollen etwas erledigen, meinen vielleicht, sie müssten Kinder von der Schule abholen oder zur Arbeit gehen. Mit diesem Verhalten stören Menschen mit Demenz ihre Mitmenschen. Und es lauern Gefahren. Der Betroffene könnte:

  • stürzen und sich dabei verletzen.
  • mit falscher Kleidung hinausgehen und unterkühlen oder überhitzen.
  • sich verlaufen und den Heimweg nicht mehr finden. 
  • sich im Straßenverkehr in Gefahr bringen.
  • in ein Gewässer fallen und ertrinken.
  • sich mit falscher Handhabung von Geräten in Gefahr bringen.

Lebensraum

Lebensraum

Menschen mit Demenz sollen sich im Alltag sicher und selbstständig bewegen können. Die Anpassung der Umgebung verbessert ihre Lebensqualität. weiterlesen

Nun haben die Betreuenden ein Dilemma. Einerseits wollen sie für die Sicherheit der Erkrankten sorgen. Andererseits möchten sie ihre Bedürfnisse und Lebensqualität nicht einschränken. Ein zusätzliches Problem entsteht, wenn die Erkrankte an der verschlossenen Tür zu schreien beginnt und aggressiv wird gegen die Betreuenden. Mit ihrem Verhalten zeigt sie eigentlich nur an, wie wichtig ihr die Bewegung oder eine Aufgabe ist. Als erste Reaktion empfiehlt sich ein validierendes Gespräch.

Quelle Marcus May/demenzjournal

Mit der Anpassung des Umfeldes lässt sich eine Verbesserung erreichen. Die Anpassung des Wohnbereiches zum Beispiel. Die Betreuenden sollten auch dafür sorgen, dass die Erkrankte körperlich aktiv sein und sich wirksam erleben kann: Spaziergänge, Sport, Spiel, Aufgaben im Haushalt, Begleitung beim Einkaufen usw. Weil dies eine Betreuungsperson kaum allein bewältigen kann, empfiehlt sich der Aufbau eines Netzwerks mit Familienmitglieder, Freunden und Nachbarn.

➔ Hier finden Sie Empfehlungen zum Umgang mit Gefährdung bei Demenz

➔ Hier finden Sie Hinweise für mehr Sicherheit in geschlossenen Räumen

Der Demenz-Experte und Ethiker Michael Schmieder schreibt dazu: «Stellen wir uns vor: 216 Verkehrstote im letzten Jahr auf Schweizer Straßen wären Rechtfertigung genug, den ganzen Verkehr zu stoppen. Zum Glück nehmen wir Risiken in Kauf. Menschen mit Demenz haben es verdient, dass wir mit ihnen auch Risiken eingehen, dass wir nicht sedieren, nur weil wir es nicht aushalten, dass etwas passieren kann.»

demenzjournal

Wenn die Ressource zum Problem wird

Immer in Bewegung bleiben! Dies ist ein guter Ansatz. Bewegung ist gesund und gibt eine gute Laune. Aber längst nicht … weiterlesen

Sicherheit und Selbstbestimmung

Besteht ein erhebliches Risiko einer Selbst- oder Fremdgefährdung, sind eventuell freiheitsentziehende Maßnahmen nötig. Sie sollten das letzte Mittel sein, weil sie die Bewegungsmöglichkeiten einschränken, zum Beispiel ein Bettgitter oder ruhigstellende Psychopharmaka. In Extremfällen, etwa bei Verwahrlosung oder Unterernährung, gilt eine Einweisung in eine Klinik als Option. 

Abgesehen von kurzfristigen, akuten Notlagen, die schnelles Eingreifen erfordern, muss ein Betreuungsgericht solche Restriktionen genehmigen. Ein Antrag bei Gericht muss sehr detailliert begründet sein. Denn jede Zwangsmaßnahme bedeutet einen Eingriff in individuelle Persönlichkeitsrechte. 

➔ Hier finden Sie weitere Informationen zu freiheitsentziehenden Massnahmen

Das sind Alternativen zu Freiheitseinschränkungen

Nicht nur die Deutsche Alzheimer Gesellschaft betrachtet Freiheitseinschränkungen als letztes Mittel der Unfallprophylaxe. Um Lebensqualität langfristig zu erhalten, lohnt es sich, nach Alternativen zu suchen. So könnten Patienten mit Weglauftendenz am Körper mit einem Signalgeber ausgerüstet werden, der Angehörige oder Pfleger informiert, falls der Betroffene den geschützten Bereich verlässt.

Das Modellprojekt «Der Werdenfelser Weg» zielt darauf, freiheitsentziehende Maßnahmen auf ein unumgängliches Minimum zu reduzieren. Dabei suchen Experten zusammen mit Angehörigen, Betreuern und Heimleitungen in jedem Einzelfall nach dem besten Kompromiss zwischen Autonomie und Sicherheit.

➔ Christa Matter, Hans-Jürgen Freter, Leben mit Demenzkranken. Hilfen für schwierige Verhaltensweisen im Alltag, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, 2019

➔ praktische Informationen zur Vermeidung von Freiheitseinschränkungen

➔ technische Hilfen zur Unfallvermeidung bei Menschen mit Demenz

»demenzworld vermittelt Wissen, pflegt Netzwerke und schafft Raum für Austausch. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen werden sichtbar und sprechen für sich selbst. So können wir Stigmatisierung und Tabuisierung abbauen.«

Raphael Schönborn, Geschäftsführer Promenz Wien

Jetzt spenden

Entdecke unsere weiteren Plattformen:

demenzworld

Alles für das Leben mit Demenz: Verschaffe dir einen Überblick über die demenzworld und entdecke unser demenznavi.

Mehr erfahren

demenzjournal

Interviews, Reportagen, Blogs und mehr: demenzjournal versorgt dich seit 2016 crossmedial mit Demenzwissen.

Mehr erfahren

demenzmeets

Triff Angehörige, Betroffene und Fachpersonen zu einem Austausch auf Augenhöhe und verbringe »leichte Stunden zu einem schweren Thema«.

Mehr erfahren

demenzforum

Tausche dich in unserem sicheren Online-Forum vertrauensvoll zum Alltag mit Demenz aus und erhalte rasch Antworten.

Mehr erfahren