chatbot

Apathie

Viele Menschen mit Demenz werden apathisch. Mit klarer Kommunikation, einfachen Angeboten und Geduld kann es gelingen, die Betroffenen zu aktivieren.

Von Martin Mühlegg und Zeitenspiegel Reportagen

Aktualisiert am 24. März 2026


FAQ 1: Was bedeutet Apathie bei Demenz?
Apathie beschreibt eine ausgeprägte Teilnahmslosigkeit. Betroffene zeigen wenig Interesse an ihrer Umgebung, wirken oft müde oder traurig und reagieren kaum auf Reize. Selbst grundlegende Bedürfnisse wie Essen oder Aktivitäten können an Bedeutung verlieren.

FAQ 2: Wie häufig tritt Apathie bei Menschen mit Demenz auf?
Apathie ist ein häufiges Symptom bei Demenz. Im fortgeschrittenen Stadium sind bis zu 90 Prozent der Betroffenen davon betroffen. Besonders häufig tritt sie bei frontotemporaler Demenz auf, aber auch bei Alzheimer oder vaskulärer Demenz.

FAQ 3: Was hilft im Umgang mit apathischen Menschen mit Demenz?
Wichtig sind Geduld, klare Kommunikation und kleine Aktivierungsangebote. Musik, Bewegung, vertraute Tätigkeiten oder Sinnesreize wie Düfte können stimulierend wirken. Ein liebevoller Umgang und ein angepasstes Umfeld können Wohlbefinden und Aktivität fördern.


Das Wort Apathie hat seine Wurzel im Altgriechischen und bedeutet «Unempfindlichkeit». In der Medizin bezeichnet man damit Phänomene der Teilnahmslosigkeit wie auch den Mangel an Erregbarkeit gegenüber äußeren Reizen.

Ein Mensch, der apathisch ist, zeigt kein oder kaum Interesse an den Menschen oder Geschehnissen um ihn herum. Er oder sie kann schläfrig wirken, vielleicht auch niedergeschlagen oder traurig. Nicht einmal die grundlegendsten Bedürfnisse des Körpers werden mehr erfüllt, weshalb apathische Menschen oftmals appetitlos sind.

Wie häufig Apathie bei Demenz vorkommt

Bei fortgeschrittener Demenz zeigt sich bei den Betroffenen zunehmend Apathie. Im Spätstadium sind es rund 90 Prozent, die in Teilnahmslosigkeit verfallen, heißt es in einer Studie der Forschungsstelle Ergotherapie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Schaut man genauer hin, ist Apathie bei den verschiedenen Demenzarten unterschiedlich vertreten:

  • Frontotemporale Demenz: 92 Prozent
  • Vaskuläre Demenz: 72 Prozent
  • Morbus Alzheimer: 63 Prozent
  • Lewy-Body-Demenz: 57 Prozent

Betroffen sind nicht nur die erkrankten Personen selbst, sondern auch Familienangehörige, Freunde und Fachpersonal der Institutionen. Zum einen ist die Pflege apathischer Menschen herausfordernd, weil man weder verbal noch nonverbal Rückmeldungen bekommt. Zum anderen ist es für Familie und Freunde hart, den Verlust der Persönlichkeit eines geliebten Menschen mitanzusehen. Apathie lässt sich nicht heilen, doch lässt sich der Verlauf manchmal verlangsamen. Bekannt ist, dass Apathie in Verbindung mit einer niedrigeren Lebensqualität, schnelleren Verschlechterung und höheren Belastung der Betreuer steht.

Wie du apathische Menschen mit Demenz positiv beeinflussen kannst

Folgende 9 Tipps für den Umgang mit apathischen Demenzkranken machen einen wesentlichen Unterschied.

  1. Abklären, ob das Verhalten mit weiteren Krankheiten zusammenhängen könnte (zum Beispiel Depression)
  2. Abklären, ob Medikamente (Beruhigungsmittel, Antipsychotika usw.) die Ursache sind
  3. Geistige und körperliche Aktivitäten fördern, ohne zu überfordern
  4. Impulse geben mit kühlen Waschungen, Basaler Stimulation, Umschlägen
  5. Musik laufen lassen, Konzerte besuchen
  6. Nach Möglichkeit beim Kochen und Backen mithelfen lassen, die Gerüche und Geräusche aus der Küche wirken stimulierend
  7. Aroma-Handmassagen mit Blumendüften wie Jasmin, Rosengeranie, Lavendel
  8. Sitz- und Liegeplätze im Freien anbieten – frische Luft, Sonne, Wind, Vogelgezwitscher, Farben usw. wirken stimulierend
  9. Ein liebe- und verständnisvoller Umgang wirkt unterstützend und lohnt sich – auch wenn wir kaum Rückmeldungen erhalten

demenzjournal

Apathie bei Demenz: Frau Huber sitzt nur da

Eine frontotemporale Demenz hat die früher so lebensfrohe und kreative Angelika Huber apathisch gemacht. Jetzt sitzt sie einfach da und … weiterlesen

Was in apathischen Menschen mit Demenz vorgeht

Die Neurowissenschaftlerin Kerstin Ritter vom Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin erklärt dazu: «Auch wenn man nicht sagen kann, was genau in den Gehirnen von Menschen mit Demenz vorgeht, sprechen Verhaltensstudien sowie die Erfahrung vieler Angehöriger und Pfleger dafür, dass selbst schwer demenzkranke Patienten von einem liebevollen Umgang und einem auf die Bedürfnisse des Patienten ausgerichteten Umfeld stark profitieren und sich zum Beispiel Angst- und Unruhezustände reduzieren lassen.»

Eine wirksame Therapie bei demenziell bedingter Apathie gibt es nicht. Ob Medikamente helfen, ist unklar. Methylphenidat (besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin) hat durch seine stimulierende Wirkung möglicherweise einen Nutzen bei demenzbedingter Apathie. Die Studienlage ist derzeit allerdings noch zu dürftig, um das mit Bestimmtheit sagen zu können.

»Die Peer-to-Peer-Videos der demenzworld sind äußerst wertvoll. Ich verwende sie in meinem Demenz-Modul, da sie die Perspektive von Menschen mit Demenz veranschaulichen und ein differenzierteres Bild vermitteln.«

Prof. Dr. Anne Roll, Hochschule Bochum

Jetzt spenden

Literatur und Links zu Apathie bei Demenz

> Ian Andrew James, Louisa Jackman, Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz, Hogrefe, 2019

> Hier geht es zu einer Publikation des Zentrums für Gerontologie Zürich

demenzjournal

Den Emotionen auf der Spur

Kein Gespräch, kein Lachen, kein Nicken, kein Blickkontakt. Demenzbetroffene mit Apathie reagieren kaum auf äussere Reize. Doch empfinden sie tatsächlich … weiterlesen

Persönlichkeits-Veränderung

Eine Demenz kann die Persönlichkeit des Betroffenen stark verändern. Der Umgang damit ist für Betroffene und Angehörige anspruchsvoll. weiterlesen

Entdecke unsere weiteren Plattformen:

demenzworld

Alles für das Leben mit Demenz: Verschaffe dir einen Überblick über die demenzworld und entdecke unser demenznavi.

Mehr erfahren

demenzjournal

Interviews, Reportagen, Blogs und mehr: demenzjournal versorgt dich seit 2016 crossmedial mit Demenzwissen.

Mehr erfahren

demenzmeets

Triff Angehörige, Betroffene und Fachpersonen zu einem Austausch auf Augenhöhe und verbringe »leichte Stunden zu einem schweren Thema«.

Mehr erfahren

demenzforum

Tausche dich in unserem sicheren Online-Forum vertrauensvoll zum Alltag mit Demenz aus und erhalte rasch Antworten.

Mehr erfahren