Diagnose
Wer über mehrere Wochen verdächtige Symptome hat, sollte zum Arzt gehen. Die genaue Untersuchung sollten Spezialisten machen, denn Schnelltests beim Hausarzt haben eine hohe Fehlerquote.
Von Martin Mühlegg und Zeitenspiegel Reportagen
Aktualisiert am 26. März 2026
FAQ 1: Wann sollte man eine Demenz abklären lassen?
Wenn über mehrere Wochen Gedächtnisprobleme, Orientierungsschwierigkeiten oder auffällige Verhaltensänderungen auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühe Diagnose hilft, Therapien rechtzeitig zu beginnen und den Krankheitsverlauf besser zu beeinflussen.
FAQ 2: Wie wird eine Demenz diagnostiziert?
Die Abklärung erfolgt meist in zwei Schritten: zuerst beim Hausarzt mit Tests wie dem Uhrentest oder dem Mini-Mental-Status-Test. Danach folgen Untersuchungen bei Spezialisten oder in Memory Clinics mit weiteren Tests, Laboranalysen und bildgebenden Verfahren.
FAQ 3: Was passiert nach der Diagnose Demenz?
Nach der Diagnose werden Behandlungsmöglichkeiten besprochen und Unterstützungsangebote organisiert. Medikamente, Therapien und Beratungsstellen können helfen, den Alltag zu bewältigen. Auch der Austausch mit Angehörigen und Selbsthilfegruppen ist oft hilfreich.
Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser. Zwar gibt es keine Behandlung, die die Erkrankung stoppen oder gar heilen könnte. Aber es gibt Therapien, um den Krankheitsverlauf zu mildern und für eine gewisse Zeit zu verlangsamen. Die Form der Demenz kann einen Einfluss haben auf die Verhaltensweisen und die Art der Betreuung. Medikamente und weitere Therapien zur Behandlung der Symptome können vor allem zu Beginn der Krankheit wirksam sein.
Betroffene und Angehörige erleben vor der Diagnose oftmals eine lange Phase der Verunsicherung. Sie spüren, dass etwas nicht stimmt, können aber nicht erkennen, was die Ursache ist. Für die Familienmitglieder bedeutet das Untersuchungsergebnis oft eine Erleichterung. Sie verstehen, warum sich ihre Angehörigen auffällig verhalten: Es gibt dafür einen medizinischen Grund. Die Demenzabklärung verläuft in der Regel in zwei Schritten: Ein Besuch beim Hausarzt und dann eine Abklärung beim Spezialisten, beziehungsweise in einer Memory Clinic, die spezialisiert ist auf Symptome wie chronische Vergesslichkeit.
Für Menschen mit Anzeichen einer Demenz ist es oft schwierig, sich aus eigenem Antrieb zu einer Abklärung zu entschließen. Angehörige können sie unterstützen, indem sie Informationen einholen, Termine vereinbaren und die betroffene Person zum Arzt begleiten. Eine umfassende Diagnose erstreckt sich über mehrere Termine und kann für den Patienten belastend sein. Auch die Angehörigen sind gefordert und sehen sich mit einer neuen Lebenssituation konfrontiert. Die Aufklärung der Angehörigen darf grundsätzlich nur mit dem Einverständnis des Patienten erfolgen, ist aber für die weitere Behandlung und Begleitung wichtig.
Erste Tests macht der Hausarzt
Der Hausarzt erhebt die Vorgeschichte, macht körperliche und neurologische Untersuchungen und veranlasst Laboranalysen von Blut und Urin sowie Zusatzuntersuchungen (Elektrokardiogramm usw.) zur Überprüfung der wichtigen Körperfunktionen.
Heute setzen viele Fachpersonen statt oder neben dem Mini-Mental-Test auf zwei andere Verfahren: den MoCA und den DemTect. Beide sind kurz, einfach durchzuführen und erkennen frühe Veränderungen besser. Der MoCA (Montreal Cognitive Assessment) prüft verschiedene Bereiche gleichzeitig: Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Orientierung. Er gilt als besonders sensibel für frühe Stadien – also dann, wenn im Alltag erst kleine Unsicherheiten auffallen.
Der DemTect wurde speziell für den deutschsprachigen Raum entwickelt. Er ist alltagsnah und gut verständlich. Auch er zeigt feine kognitive Veränderungen früh an und eignet sich deshalb gut für die Abklärung beim Hausarzt. Beide Tests dauern rund zehn bis fünfzehn Minuten. Sie liefern Hinweise – aber keine Diagnose. Entscheidend bleibt immer das Gesamtbild des Menschen.
Die MMSE-Untersuchung (Mini-Mental-Status) ist ein einfacher Demenz-Test, der aus einem Fragebogen besteht, mit dessen Hilfe sich die kognitiven Fähigkeiten wie Orientierung und Gedächtnis einschätzen lassen. Teil davon ist der Uhrentest: Dem Patienten wird aufgetragen, das Zifferblatt einer Uhr zu einer gewissen Zeit zu zeichnen.
Dies sind die Aufgaben im MMS-Test
Um die Fähigkeit zur Orientierung zu testen, beinhaltet der MMST zum Beispiel folgende Fragen:
- In welchem Jahr leben wir?
- Welche Jahreszeit ist jetzt?
- Welches Datum haben wir heute?
- In welcher Ortschaft sind wir?
- Wo sind wir (in welcher Praxis/Altenheim)?
- Auf welchem Stockwerk?
Die Resultate der Untersuchungen beim Hausarzt liegen zwar schnell vor, sind aber mitunter unvollständig oder sogar falsch. So können zum Beispiel die Nervosität des Betroffenen, sein Bildungsniveau oder die mangelnde Kompetenz des Hausarztes das Ergebnis verfälschen.
Auch sind die meisten Hausärzte nicht in der Lage, die Form der Demenz zuverlässig zu diagnostizieren. Die einfachen Tests werden trotzdem häufig eingesetzt, weil sie leicht durchzuführen sind und keinen teuren Gerätepark erfordern.
So funktioniert die Abklärung bei den Spezialisten
Es gibt viele Ursachen für eine kognitive Störung, etwa ein Schädel-Hirn-Trauma, Stoffwechselkrankheiten, Depressionen und vieles mehr. Deshalb macht eine genaue Abklärung Sinn – vor allem, wenn der Betroffene nicht sehr alt ist und spezielle Verhaltensweisen entwickelt hat, etwa großes Misstrauen oder Beschuldigungen anderen gegenüber.
Diese Abklärungen erfolgen in einer Memory Clinic, einer Gedächtnisambulanz oder ähnlich spezialisierten Klinik, wo verschiedene Spezialisten (Geriater, Neuropsychologen, Neurologen, Alterspsychiater, diplomierte Pflegende) zusammenarbeiten. Am Ende dieses Artikels findest du die Links zu den Memory Clinics, Gedächtnisambulanzen und Gedächtnissprechstunden in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.
Neurologische und psychiatrische Untersuchungen
Wenn die Nervenzellen und ihre Verbindungen untereinander im Zuge einer Demenzerkrankung sterben, leidet nicht nur das Gedächtnis. Einschränkungen kann es auch in der Motorik geben, Wahrnehmung oder beim Sprechen geben.
Fachärzte für Neurologie oder Psychiatrie versuchen, Störungen von Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Merk- und Denkfähigkeit festzustellen. Zudem versuchen sie, zu klären, ob der Betroffene unter Halluzinationen oder anderen Sinnestäuschungen leidet.
Apparatediagnostik und Labortests
Um der Ursache der Demenz auf die Spur zu kommen, setzen Mediziner unter anderem Labortests, EEG und Geräte ein, mit deren Hilfe sie die Beschaffenheit und Aktivität des Gehirns optisch kontrollieren können. Sogenannte bildgebende Verfahren sind die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT), die die Struktur des Gehirns zeigen.
Mit ihrer Hilfe können die Ärzte Tumore, Blutungen, Infarkte, Schädigungen von Faserbahnen oder Schrumpfungen erkennen und so auf die Form der Demenz schließen. In manchen Fällen werden auch die SPECT (Single-Photon-Emission-Computertomografie) und die PET (Positronen-Emissions-Tomografie) beim Radiologen zur Diagnose notwendig.
Beide Methoden machen den Stoffwechsel und die Durchblutung in den verschiedenen Bereichen des Gehirns sichtbar. Daneben benutzen Ärzte zur Diagnose das klassische EEG-Verfahren, das die elektrische Aktivität von Nervenzellenverbänden misst. Außerdem lassen sich mithilfe bestimmter Laborwerte die Ursachen von sogenannten symptomatischen Demenzen aufdecken, die zum Beispiel durch Darmerkrankungen, Vitaminmangel oder Stoffwechselstörungen ausgelöst werden.
Sinnvoll ist manchmal eine Untersuchung des Nervenwassers. Dafür wird Flüssigkeit an der Lendenwirbelsäule entnommen (Liquorpunktion). Finden sich darin beispielsweise veränderte sogenannte Tau-Proteine, spricht das für eine Alzheimer-Erkrankung. Die Kosten der Abklärung übernehmen die Krankenkassen.
So funktioniert ein Diagnosegespräch
Wenn das Untersuchungsergebnis feststeht und der Arzt Betroffene und Angehörige informiert, ist das meist eine Hiobsbotschaft, die Wut, Trauer und Angst auslösen kann. Sie kann aber zugleich Erlösung sein, weil endlich Klarheit herrscht und es eine Erklärung gibt für die Verunsicherung der vergangenen Monate.
»Es macht Menschen krank, wenn sie mit ihren Problemen allein gelassen werden. Deshalb ist es gut, dass es demenzworld gibt.«
Gerald Hüther, Hirnforscher und Bestsellerautor
Jetzt spendenDieses Diagnosegespräch braucht Zeit und Einfühlungsvermögen, denn es geht nicht nur um die Übermittlung eines medizinischen Befunds, sondern um den ersten therapeutischen Schritt, der für immer in Erinnerung bleibt und den Weg zur Verarbeitung ebnen soll. Wie geht es weiter? Angehörige und Betroffene möchten verstehen und verstanden werden.
Je mehr Betroffene und Angehörige über die Krankheit und ihre Auswirkungen wissen, desto besser können sie damit umgehen. Empfehlenswert ist der Austausch mit anderen in Selbsthilfegruppen. Später können weitere Angebote sinnvoll sein, unter anderen Mahlzeitendienste, Haushaltshilfen, Fahrdienste, Entlastung für Angehörige oder Kurzzeitpflegeplätze.
Warum es ein offener Umgang leichter macht
Wie sollen Betroffene mit der Diagnose umgehen? Wem dürfen sich Angehörige mitteilen? Je offener Demenzkranke ihrer Umwelt begegnen, umso mehr Verständnis bekommen sie und ihre Familie. Wer lange versucht, so zu tun, als wäre alles in Ordnung, erntet oft Unverständnis.
Meist merken Freunde und enge Bekannte ohnehin, dass «etwas nicht stimmt». Ein offenes Ansprechen der Erkrankung kostet im ersten Moment zwar viel Überwindung. Aber möchte man von einem Freund nicht lieber die Wahrheit erfahren?
So kann Demenz Beziehungen verändern
Die Krankheit Demenz stellt Partnerschaften, Eltern-Kind-Beziehungen und Freundschaften auf eine Probe. Die Angehörigen von Menschen mit Demenz brauchen deshalb ebenso Begleitung und Beratung wie die Betroffenen selbst. Manchmal führt die Erkrankung die Familienmitglieder neu zusammen und vertieft Beziehungen, obwohl sich die Beziehungsqualität verändert.
Erleichterung verschafft allen, wenn sie sich verstanden fühlen. Auch von Freunden. Entlastung beispielsweise ist wichtig, doch ganz individuell. Angehörige sammeln durch die Betreuung im Laufe der Zeit ein großes Wissen an. Dennoch brauchen sie Schutz, Zuwendung und eine Sicht von außen, die ihren Blick für neue Lösungswege öffnet. Entlastung kann also bedeuten, dass Fragen angesprochen werden, die belasten, die tabuisiert sind, dass Raum gefunden wird für Themen, über die man bis anhin nicht sprechen konnte, entweder im Rahmen eines therapeutischen Gespräches oder im Freundeskreis.
Links und Literatur zur Abklärung und Diagnose von Demenz
> Hier geht’s zu den Gedächntnissprechstunden / Memory Kliniken in Deutschland
> Hier geht’s zu den Memory Clincs in der Schweiz
> Hier geht’s zu den Gedächtnisambulanzen in Österreich
> Hier geht‚s zum kostenlosen Download der Publikation «Nach der Demenz-Diagnose» von Alzheimer Schweiz
> Hier geht’s zum kostenlosen Download der Publikation «Empfehlungen zum Umgang mit Diagnose und Aufklärung bei Demenz» der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
»demenzworld ist die größte und informativste Plattform, die es im Bereich Demenz gibt. Sie gibt Antworten auf alle Fragen zur Demenz. Sie ermöglicht, Wissen zu vertiefen und in Fallbeispielen praktisch zu erfahren.«
Marlis Lamers, Akademische Palliativexpertin
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